Innovationen

24 April 2019NOI Techpark

Der NOI Techpark wächst und wächst: neue Labors und weitere 20.000 Kubikmeter Raum für Innovation

Auch die Fakultät für Ingenieurwissenschaften wird im Technologiepark angesiedelt, der zu einem immer stärkeren Bezugspunkt für Innovation in Europa wird

Stellen Sie sich einen Darm in einer Schachtel vor. Genau: in einer Schachtel. Zum Untersuchen und zum Analysieren, um alles über den menschlichen Verdauungsprozess zu erfahren, Unverträglichkeiten eingeschlossen. Stellen Sie sich außerdem vor, Sie können mit Zeitgenossen von Ötzi, der 5.300 Jahre alten Gletschermumie, die in den Ötztaler Alpen gefunden worden ist, wissenschaftliche Gespräche führen. Und dann noch einmal: Versuchen Sie, sich vorzustellen, wie es wäre, Äpfel, Weintrauben und Käsestücke mit modernsten Laborinstrumenten wie Gaschromatographen und hochauflösenden Massenspektrometern zu „befragen".

Science Fiction? Nein. Es ist das, was tagtäglich in den 30 Labors des NOI Techpark in Bozen passiert, dem Technologiepark, in dem sich Forscher von Eurac Research, dem Versuchszentrum Laimburg, der Freien Universität Bozen, der KlimaHaus-Agentur und von Fraunhofer Italia den interessantesten Phänomenen der Technologiefelder erneuerbare Energie und Energieeffizienz, alpine Technologien und Lebensmitteltechnologien, Digitalisierung, Automation und Automotive widmen. In einem „Stadtviertel“, in dem Innovation sich von der Natur inspirieren lässt, und an dem bald neue „Orte“ der angewandten Forschung hinzukommen werden.

(foto: Giuma)

Der Bau zweier neuer Gebäude ist bereits in Vorbereitung

Bereits in Vorbereitung ist der Bau zweier neuer Gebäude von 20.000 Kubikmetern, in denen weitere Labors untergebracht und in denen die Fakultät für Ingenieurwesen angesiedelt werden wird, die die Universität Bozen zur Erforschung von Automation, Robotik, Deep Learning und künstlicher Intelligenz in den NOI Techpark bringen wird. „Schlüsselthemen für Unternehmen und Regionen, die auf den Märkten von morgen wettbewerbsfähig sein wollen, indem sie auf neue Werkzeuge und neue Skills setzen“, unterstreicht der Rektor der Universität, Paolo Lugli, der überzeugt davon ist, dass der Technologiepark der perfekte Ort ist, um neue Talente heranwachsen zu lassen.

Bereits heute ist die Universität mit vier Fakultäten im NOI Techpark vertreten – Naturwissenschaften und Technik, Informatik, Wirtschaftswissenschaften, Design und Künste – und die Studenten einer weiteren Fakultät werden dazu beitragen, den Austausch zwischen der akademischen Forschung und der Wirtschaft zu intensivieren. Eine immer stärkere Brücke, von der auch die Vitalität der Labore zeugt. In der Tat ist die Stärkung der Südtiroler Unternehmen das oberste Ziel aller Labore im NOI Techpark, wie der Direktor von Eurac Research, Stephan Ortner, betont: „In unseren Labs geben die Wissenschaftler den neuesten Stand der internationalen Forschung an heimische Unternehmer weiter. Forscher und Unternehmer schaffen hier gemeinsam neue Produkte, testen Energiesysteme und entwickeln Energiemodelle für einzelne Gebäude oder ganze Städte.“

Im NOI Techpark forscht Eurac Research zu erneuerbaren Energien, Umweltbeobachtung und Mumien. Dies geschieht durch modernste Infrastrukturen wie dem terraXcube, dem Labor, das alle Klimazonen der Erde simuliert, dem Sonnensimulator für Fotovoltaikmodule oder durch Tests an Gebäudefassaden und Wärmepumpen. Forschungen, die es ermöglicht haben, nützliche Systeme für verschiedenste Situationen zu entwickeln. Eines der jüngsten Projekte ist zum Beispiel ein System, das historische Fresken bewahrt, indem es Gebäude vor Schimmelbefall schützt und gegen Feuchtigkeit isoliert. 

Aber nicht nur Eurac Reserach nutzt Forschungsräumlichkeiten im NOI Techpark. Die Labore, denen kürzlich die Südtiroler Landesregierung – an Rande ihrer ordentlichen Sitzung im NOI Techpark – einen Besuch abgestattet hat, sind auch für andere Sektoren ein Innovations-Inkubator. Man denke etwa an die Lebensmittelprozesse und -technologien, auf die sich sowohl das Versuchszentrum Laimburg als auch die Universität Bozen mit dem Labor für Aromen und Metaboliten konzentrieren. In diesem lassen sich die in landwirtschaftlichen Produkten und Pflanzen natürlich vorkommenden Inhaltsstoffe identifizieren. Oder das Food Technology Lab in dem aus Lebensmittelabfällen Verbindungen mit hohem Nährwert extrahiert, neue Formulierungen und Inhaltsstoffe entwickelt und Qualität, Stabilität und Shelf-Life von Lebensmitteln untersucht werden, wodurch die Produktionskette rückverfolgbar und der Ursprung feststellbar wird.

(foto: Ivo Corrà)

"2021 wird hier das Institut für Biomedizin von Eurac Research eröffnet, 2022 die Fakultät für Ingenieurwissenschaften der Universität Bozen"

Diese Studien werden von Wissenschaftlern vom Kaliber eines Marco Gobbetti durchgeführt, dem weltweit meistzitierten Wissenschaftler in seinem Fachbereich auf Google Scholar. Er leitet gemeinsam mit seiner Kollegin Raffaella Di Cagno das Micro4Food Lab, das sich auf das mikrobielle Ökosystems des Magen-Darm-Traktes des Menschen fokussiert (der Darm in der Schachtel ist Gobettis Ding). Oder Matteo Scampicchio, der sich mit Extraktionsprozessen befasst, um Verbindungen mit hohem Nährwert aus Lebensmittelabfällen zu gewinnen und sie in Produkte und Nanomaterialien umzuwandeln. Oder Emanuele Boselli, der Entdecker der sogenannten „Super-Tannine“, der sich derzeit mit der Erforschung von Techniken zur Herstellung, Lagerung, Oxidation und Reifung von Wein und anderen Getränken beschäftigt.

Und bald kommen weitere – bereits erwartete – Neuheiten im Bereich Agrifood hinzu, auch diese stets mit Blick auf die Notwendigkeiten der Unternehmen. Unibz und Eurac Research werden nämlich in den Räumlichkeiten des NOI Techpark an der Entwicklung intelligenter, vollständig biokompatibler Kontroll- und Überwachungssensoren für die Landwirtschaft arbeiten. Daneben stehen zahlreiche andere Projekte in den Startlöchern. Die Roadmap der Innovation für den Technologiepark ist eng gesteckt. „2021 werden wir das Institut für Biomedizin von Eurac Research lancieren, 2022 die Fakultät für Ingenieurwissenschaften der Universität Bozen, in den Jahren 2023 und 2024 werden zwei neue Gebäude im Ausmaß von gut zwölf Hektar für Unternehmen und das Versuchszentrum Laimburg realisiert. Letzteres kann dadurch seine Aktivitäten in der angewandten Forschung verstärken“, erklärt der stellvertretende Direktor des Technologieparks, Hubert Hofer.

"Ein Bezugspunkt für Innovation im gesamten Alpenbogen"

All dies unterstreicht die Absicht, das Vorhaben, Südtirol zu einem immer stärkeren Bezugspunkt für Innovation im gesamten Alpenbogen zu machen, wie es auch die Entschlossenheit der Autonomen Provinz Bozen zeigt, die Entwicklung des NOI Techpark zu unterstützen. Es ist kein Zufall, dass der Park als Ort gewählt wurde, an dem Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher und Tilman Märk, Rektor der Universität Innsbruck, ein Rahmenabkommen unterzeichnet haben, das Rechtsstudierenden der Uni Innsbruck Praktika in der Südtiroler Landesverwaltung ermöglicht. „Die Hochspezialisierung und die Innovation in den Mittelpunkt zu stellen, ist eine Möglichkeit, den Austausch der ‚Gehirne‘ anzukurbeln. Und der NOI Techpark mit seinen Labors ist ein Schlüsselelement in dieser Strategie, die darauf abzielt, unser Land, den Standort Südtirol immer wettbewerbsfähiger zu machen", bestätigt Landeshauptmann Kompatscher. 

Fact Sheet

Der am 20. Oktober 2017 eröffnete NOI Techpark ist eine „Brücke“ zwischen der Welt der Forschung und jener der Wirtschaft. Das Herzstück des Technologieparks bilden die insgesamt 30 Forschungslabore, in denen Eurac Research, das Versuchszentrum Laimburg, die Freie Universität Bozen, der KlimaHaus-Agentur und Fraunhofer Italia innovative Studien durchführen und neue Produkte testen – auch im Auftrag von Unternehmen der Privatwirtschaft.

Angesichts der Beachtung, die der Park seit seiner Eröffnung erfahren hat, hat die Südtiroler Landesregierung beschlossen, in den weiteren Ausbau des Parks zu investieren. Der Erweiterung wird in zwei Schritten erfolgen: Im ersten Baulos werden ein Gebäudevolumen von 21.200 Kubikmetern und eine Bruttogeschossfläche von 10.100 Quadratmetern umgesetzt, die mit zahlreichen neuen Labors ausgestattet und sowohl privaten Unternehmen als auch der Forschung zur Verfügung gestellt werden. Das zweite Gebäude dagegen wird ein Volumen von 18.900 Kubikmetern und eine Bruttogeschossfläche von 9.400 Quadratmetern haben und weiteren Raum für private Unternehmen bieten, jedoch auch einen Gastronomiebereich für Studierende der Fakultät für Ingenieurwesen der Freien Universität Bozen beherbergen; die Fakultät wird 2022 offiziell in den NOI Techpark einziehen.