Kultur

27 März 2019IDM

„World in Progress“, wenn Veränderung zu Kunst wird

Im Trevi-Zentrum in Bozen wurden die Arbeiten von 11 jungen Forscherinnen und Forschern aus Südtirol gezeigt, und das auf äußerst kreative Weise. „Wenn wir genau wüssten, was wir tun, würden wir es nicht Forschung nennen“

Wie viele Fragen begleiten uns ein Leben lang? Wie viele können wir beantworten, und wie viele bleiben ungelöst? Bei einem Rundgang durch die Ausstellung „World in Progress: Fragen auf der Suche nach Antworten“ können Besucher in die Welt der Forschung eintauchen. Die Veranstaltung, die bis zum 10. April im Trevi-Zentrum in Bozen stattfindet, wurde von einer jungen Expertengruppe organisiert – und zwar im Auftrag der Sozialgenossenschaft Young Inside und in Zusammenarbeit mit dem NOI Techpark und den wissenschaftlichen Mitarbeitern des Kommunikationsprojektes „Out of the Lab“.

Die interaktive Ausstellung, die vom Amt für Jugendpolitik der Autonomen Provinz Bozen mitgetragen wird, behandelt ein Thema von außerordentlicher Relevanz: den Wandel. In einem Zeitalter, in dem sich alles verändert – die Art zu leben, zu kommunizieren, zu arbeiten – und in der die Realität zunehmend virtueller wird, haben elf junge Forscherinnen und Forscher aus verschiedenen Südtiroler Einrichtungen die Bedeutung von Zeit und Raum untersucht. Ausgangspunkt war dabei das Bewusstsein, dass Transformationen zum eigentlichen Wesen des Lebens dazugehören.

„,World in Progress’ ist ein Spin-off von ,Out of the Lab’, ein Projekt, das die Forschung aus den Labors hinausgeführt hat und die Menschen in den Mittelpunkt stellt“, sagt Elisa Weiss, Projektmanagerin von „Out of the Lab“ für den NOI Techpark. „Mit unserer neuen Initiative laden wir Erwachsene, Jugendliche und Kinder ein, sich einzubringen und sich mit dem Thema Evolution auseinanderzusetzen. Dies bedeutet, dass man sich nicht  mit simplen Antworten zufrieden gibt und keine Angst vor dem hat, was man nicht weiß. Denn nur durch ständige Forschung wird die Menschheit in der Lage sein, ihren eigenen Weg zu gehen.“

Der Besucher wird in einen Entdeckungsprozess eingebunden. Er ist somit nicht nur Zuschauer, sondern wird selbst zum Akteur. Er kann beobachten, zuhören, schreiben, die Richtung bestimmen und sein Innerstes mit einem besonderen Licht beleuchten.  Zwischen leuchtenden Drapierungen, immersiven Projektionen, Post-it-Netzen, animierten Illustrationen und Klanglandschaften – allesamt Installationen der Künstler Stefano D'Alessio, Francesca Centonze und Nicole Bettini – treffen hier Forschung und Kultur aufeinander. „Dass diese einzigartige Ausstellung überhaupt in Bozen stattfindet, ist einzig der Begegnung zwischen jungen Forschen und ihrem Wissen und der Kreativität von Grafikdesignern, Medienkünstlern und Kommunikationsfachleuten zu verdanken“, sagt Alessandro Cristofoletti, Autor, Fotograf und Kurator der Ausstellung. „Gemeinsam haben sie solides Wissen auf eine offene, spielerische Art durchdekliniert. Die Besucher betreten einen Ort, der sie zunächst beunruhigt, gleichzeitig aber auch Neugierde und Tatendrang weckt, um so die wahre Bedeutung von ,World in Progress’ zu erfassen.“

„Für uns Forscher war das Mitwirken an der Ausstellung wie eine sehr tiefgründige, individuelle Reise“, bestätigt Valentina Lazzara, Biotechnologin am Versuchszentrum Laimburg. „Wir wurden in die Zeit unserer Kindheit zurückversetzt und konnten so den Moment erkennen, an dem in uns das Interesse an der Forschung geweckt wurde. Wir haben aber auch unsere gegenwärtige Lebens- und Karrierephase analysiert und uns mit unserer eigenen Zukunft und jener unserer Forschungsbereiche befasst. Mit Freude haben wir wiederentdeckt, was es heißt, sich selbst zu erzählen. Dabei haben wir neben der Sprache der Wissenschaft auch jene der Philosophie benutzt. Und: Wir haben sehr viel Neues über uns selbst erfahren.“

„World in Progress“ bietet also die Kulisse, um auf spielerische Art und Weise die persönliche und universelle Entwicklung zu erleben. Und wenn dabei Fehler gemacht werden, ist das unwichtig. Denn wie Albert Einstein sagte: „Wenn wir genau wüssten, was wir tun, würden wir es nicht Forschung nennen.“

Der Ausstellungsbesuch ist kostenlos. Alle Infos hier.