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19 März 2019IDM

Family business, so klappt die Nachfolge im Zeitalter der digitalen Transformation

Innovation, nicht nur in Sachen Automatisierung, aber auch wertemäßig und kulturell. Das Erfolgsrezept von Familienunternehmen: „Es ist besser, selbst disruptiv zu sein, als Veränderungen durch Konkurrenten hinnehmen zu müssen.“

„Es ist besser, selbst disruptiv zu sein, als Veränderungen durch Konkurrenten hinnehmen zu müssen.“ Das sagt Harald Oberrauch. Die Oberrauchs sind Unternehmer seit Generationen, aber Harald Oberrauch ist nicht nur deshalb Unternehmer – sondern er ist es aus Leidenschaft. Er leitet die Durst-Gruppe und ist Mitgründer von Tyrolean Business Angel (TBA). Und auch in dieser Tätigkeit, so versichert er, steckt eine Prise Familien-DNA: „Der erste Business Angel in meiner Familie“, verrät Oberrauch, „war mein Großvater, der 1929 die Brüder Julius und Gilbert Durst finanziert hat. Dadurch hat eine Partnerschaft begonnen, die uns dorthin gebracht hat, wo wir heute stehen.“ 

Berichte von einem Leben als Unternehmer treffen auf persönliche Erinnerungen: Das ist es, was geschieht, wenn das Unternehmen, das man führt, Teil des eigenen Familienlebens, der eigenen Familiengeschichte ist. Eine Situation, die häufig vorkommt: In Italien sind mehr als 90 Prozent der Unternehmen Familienunternehmen, in Europa sind es 85 Prozent, in Amerika 70 Prozent und in Südtirol sogar annähernd 100 Prozent. Aber durch den Wandel, durch Veränderungen stehen viele von ihnen vor Schwierigkeiten oder geben auf. Die Veränderung kann dabei intern geschehen (nur 30 Prozent der Familienunternehmen schaffen den Übergang von der ersten zur zweiten Generation, zwölf Prozent von der zweiten zur dritten und nur drei Prozent von der dritten zur vierten Generation), extern – und damit eine solche, die in einem Kontext steht – oder sie kann beide Dimensionen umfassen. So wie es derzeit geschieht. „Die digitale Transformation ist die Herausforderung des Jahrhunderts für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Umso mehr, wenn diejenigen, die ein Unternehmen führen, auch diejenigen sind, die für dasselbe Unternehmen arbeiten und leben", erklärt Alfredo De Massis, Professor für Entrepreneurship, Familienunternehmen und strategisches Management an der Fakultät für Wirtschaft der Freien Universität Bozen und Direktor des Family Business Management Center, das sich auf nationaler und internationaler Ebene zu einem Referenzpunkt für Forschung, Ausbildung und Wissenstransfer im Bereich Familienunternehmen entwickelt hat. 

Es ist genau das Verhältnis von Family Business und Innovation im digitalen Zeitalter dem De Massis eine Seminarreihe im NOI Techpark in Bozen widmet, wo das Family Business Management Center seit mehr als einem Jahr seinen Sitz hat. „Ein Ort, der es uns ermöglicht“, sagt De Massis, „Innovation aus verschiedenen Blickwinkeln ‚zu leben‘ und Netzwerke von Wert zu schaffen, wie die bis zum 9. Mai stattfindenden Veranstaltungen mit CEO, Managern und Experten, die uns von ihren Erfahrungen erzählen werden, zeigen.“ 

So wie es Oberrauch getan hat. „Innovation war schon immer Teil unserer Welt. Wir investieren acht Prozent unseres Umsatzes in Forschung und Entwicklung, was uns im Laufe der Jahre dazu gebracht hat, unser Business Model zu verändern und zum Teil sogar völlig neu zu denken. Manchmal", sagt der Unternehmer, „haben wir es mit Weitsicht getan, andere Male sind wir Risiken eingegangen. Es gefällt mir, mir vorzustellen, dass die Inspiration dafür von dem Ort gekommen ist, an dem wir leben: Wir sind von Bergen umgeben, die wir besteigen wollen. Deshalb haben uns Veränderungen nie Angst gemacht. Im Gegenteil, wir haben stets versucht, ihnen mit Flexibilität und Vision gegenüberzutreten, wir haben dabei gelernt, uns selbst zu hinterfragen und uns mit den besten Leuten zu umgeben. Etwas, das wir auch heute noch tun, wenn auch mit einem anderen Stil als in der Vergangenheit.“

Für ein Familienunternehmen hat die digitale Transformation in der Tat nicht nur mit der Automatisierung von Produktionsprozessen zu tun, sondern muss in einem weiteren Sinne verstanden werden: wertemäßig und kulturell. Aus diesem Grund sind die Einsätze höher. Wenn man beispielsweise an den Wert denkt, der dem guten Ruf, dem Ansehen zugeschrieben wird, oder an die Notwendigkeit, zukünftigen Generationen ein Erbe zu hinterlassen, dann handelt es sich dabei um Dynamiken, die im Widerspruch zu notwendiger Innovation stehen können. „Familienunternehmen befürchten, dass Innovationen ihr sozial-emotionales Kapital gefährden könnten, weil sie sich dafür nach außen öffnen, delegieren, ein neues Denken und Handeln entwickeln müssen. Diese Ängste gilt es zu überwinden", unterstreicht De Massis. 

Thun, Durst und Loacker: Seminarreihe mit führenden Familienunternehmen aus Südtirol

Die Beispiele für Family Businesses, die dies getan haben, sind zahlreich. Es ist der Fall bei Unternehmen wie Markas und Thun, Senfterund Loacker, Riso Gallo, Pellini und Bonfiglioli. Unternehmen, die auf den globalen Märkten mitmischen und deren Vertreter im Rahmen der Seminarreihe erzählen werden, wie es ihnen gelungen ist, Innovation und Tradition ins Gleichgewicht zu bringen, indem „disruptive“ Fragen beantwortet wurden. Wie lebt man mit dem „Founder Shadow“, mit dem „Schatten des Gründers“? Wie geht man mit einem Generationenwechsel um, ohne die Werte der Vergangenheit zunichte zu machen? Und was passiert, wenn die Nachfolge „weiblich“ ist? „Für Familienunternehmen“, unterstreicht De Massis, „ist es noch schwieriger, die Doppelrolle der Frau zwischen Familie und Unternehmen anzuerkennen, obwohl Studien zeigen, dass die Präsenz von Frauen im Verwaltungsrat viele Vorteile hat. Deshalb wird die Geschichte von Maria Niederstätter, CEO des bekannten Unternehmens, das im Verkauf und der Vermietung von Baumaschinen tätig ist, und ihrer Nichte Daniela sinnbildlich sein.“

Jeder hat also seine eigene Innovationsstrategie. Wobei eine Empfehlung für alle gilt: Niemals stehen bleiben. „Was ich aus der Geschichte meiner Familie gelernt habe, ist, dass man den Mut haben muss, außerhalb der Schemata zu denken, ohne Angst zu beschleunigen. Denn“, so Oberrauch abschließend, „es ist der Moment, in dem wir uns hinsetzen, in dem uns die Zukunft überholt."