Kultur

4 Januar 2019IDM

Zwei Künstlerinnen, acht Talente und eine einzigartige Region: Südtirol wird zu Kunst

Faszinierende Doppelbelichtungen und sehr persönliche Geschenke zum Mitnehmen. In der Dream Factory in Mailand ist noch bis zum 11. Januar die Ausstellung Talents – “Come and take a piece of us” zu sehen. Ein interaktives Kunstprojekt von Tarin Gartner und Malou Reedorf

Die Kunst als Instrument, um Talente besser kennenzulernen: In der Mailänder Dream Factory, der Galerie in der Nähe des historischen Stadtviertels Brera, hieß es kürzlich Vorhang auf für die Ausstellung Talents – “Come and take a piece of us”. Die Eventausstellung, die von IDM Südtirol initiiert und von den Künstlerinnen Tarin Gartner und Malou Reedorf realisiert wurde, will die talentvolle Seite eines Landes zeigen, das wie kein anderes Europas Norden und Süden miteinander verbindet. In der Region, die für ihre atemberaubende Landschaft und als Urlaubsdestination bereits weltweit bekannt ist, braut sich derzeit das wohl lebhafteste Innovationsnetzwerk des gesamten Alpenraumes zusammen. „Hier sind renommierte Forschungsinstitute und hochmoderne Zentren angesiedelt – angefangen beim NOI Techpark und seiner futuristischen Struktur”, sagte Petra Seppi von IDM Südtirol anlässlich der Eröffnung. „Hier gibt es aber auch Unternehmen, die ständig nach neuen Talenten suchen, sowie ein multikulturelles Umfeld, in dem Italienisch, Deutsch und Englisch nebeneinander existieren.” Darüber hinaus biete Südtirol eine hohe Lebensqualität und ein solides Wirtschaftssystem. Das Pro-Kopf-BIP liege bei 42.500 Euro, während die Arbeitslosenquote keine 3 Prozent erreiche. „Wen wundert es also, dass das Land heute für Talente aus der ganzen Welt attraktiv geworden ist”, so Seppi weiter. „Daher die Idee, auf unkonventionelle Art und Weise die Geschichten jener Menschen zu erzählen, die sich dafür entschieden haben, nach Südtirol zu ziehen – weil man hier gut arbeiten und genauso gut leben kann.”

Die Ausstellung richtet ihren Fokus auf acht junge Talente. Ihre Namen: Walter Gasparetto, Ingenieur bei Fraunhofer Italia ResearchLuisa Marangon, Projektleiterin bei IDM Südtirol, Andrea De Leo, Maschinenbauingenieur bei GKN Driveline BruneckFjorela Dardha, Unternehmensberaterin bei Würth Phoenix, Ksenia Morozova, Forscherin an der Universität BozenMarino Casucci, CEO von Intergic, Mojca Ogris-Schimberg, leitende Managerin von Demaclenko, und Chiara Dipasquale, Bauingenieurin bei Eurac Research. Die dänische Fotografin Malou Reedorf hat sich ihre Geschichten und Erfahrungen angehört und diese in Form von Fotocollagen weitererzählt. Wobei sich die starke Bindung jedes Talents zu Südtirol wie ein roter Faden durch die Werke zieht.

Genau in der Mitte des Ausstellungsraumes hat hingegen eine Installation von Tarin Gartner Platz gefunden. In 200 typischen Obstkisten aus Holz liegen in Apfelpapier verpackte Geschenke. Sie wurden von Insidern, also Menschen, die in Südtirol leben und das Land kennen, für Outsider, also für die Besucher der Ausstellung, ausgesucht: von typischen Südtiroler Schürzen bis hin zu hausgemachter Marmelade. Jedes Präsent wird zudem von einem Satz begleitet, der den Gästen allerhand über die grüne Region Italiens verrät. Jeder Besucher kann eines der Geschenke mit nach Hause nehmen und sich so von der Offenheit und Gastfreundschaft der Region überzeugen.

„Es war wunderbar, dieses Projekt zu verwirklichen”, kommentiert Tarin Gartner. Die Künstlerin ist in Jerusalem geboren und 2013 nach Meran gezogen. „Weil ich mit einer Kollegin zusammengearbeitet habe, die meine Liebe zur Kunst teilt, aber auch und vor allem, weil ich acht außergewöhnliche Menschen kennengelernt habe, die viele Grenzen überschritten und viele Hürden überwunden haben, um ihren Träumen und Leidenschaften nachzugehen. Sie haben es mit Neugier und Aufgeschlossenheit getan und wurden dafür belohnt. Denn Südtirol ist ein gastfreundliches Land, in dem die Zeit neue Dimensionen annimmt und Grenzen aufgehoben werden.”

„Ich weiß es aus eigener Erfahrung, was es bedeutet umzuziehen, die eigene Stadt, die Angehörigen zu verlassen, um ein neues Leben an einem fremden Ort zu beginnen”, bestätigt Malou Reedorf, die seit 2018 im NOI Techpark in Bozen arbeitet. „Und ich kann versichern, dass ich mich noch nie so zu Hause gefühlt habe wie in Südtirol. Ich habe so viel über die Menschen in diesem Land erfahren. Sie sind so offen und gastfreundlich. Aber auch ich habe über mich erzählt und mich ihnen geöffnet – und zwar in meiner Muttersprache Englisch, ohne Angst haben zu müssen, nicht verstanden zu werden. Deshalb erzählen meine Porträts nicht nur die Geschichten der acht Talente, sondern auch meine eigene Geschichte, die von Entdeckungen, Austausch und Authentizität geprägt ist.”

Es bleibt also nur, der Kunst nachzugehen und ein Stück Südtirol im Herzen Mailands einzufangen. Die Ausstellung ist bis zum 11. Januar im Corso Garibaldi 117 geöffnet.

Steckbrief der Künstlerinnen

Tarin Gartner ist eine zeitgenössische Künstlerin, die in Jerusalem geboren ist, sich jedoch international einen Namen gemacht hat. Gartner hat an der Brera Academy of Fine Arts in Mailand studiert. Anschließend hat sie, immer in Mailand, einen Master in Artistic Management an der Università Cattolica und einen in Fashion Exhibit Design an der European Fashion School gemacht. Zudem hat sie ein Bachelor-Studium in Fine Arts und Literature an der Universität von Haifa absolviert. Tarin Gartners Kunst war bereits in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in Italien und im Ausland zu sehen – insbesondere in London, New York, Haifa und Tel Aviv. Außerdem hat sie in Mailand an der ULPAN School und an der Jewish School Foundation Hebräisch unterrichtet. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit arbeitet Tarin Gartner heute auch mit der PR-Agentur Press Way zusammen. Zwei ihrer bekanntesten Projekte: die Video-Dokumentation „Only here and on the moon”, in der sie durch die Erfahrungen zweier italienischer Journalisten das Leben der Menschen im Nahen Osten analysiert, und „Tarin meets Gartner”, wo es um die Geheimnisse der Persönlichkeit geht. In Südtirol hat Tarin Gartner im Auftrag der Meraner Kurverwaltung das Projekt „Nest” konzipiert und umgesetzt. Der E-Bike-Korb wurde in Zusammenarbeit mit Sidi Diallo, einem Schneider aus Guinea, entworfen, der ebenso in Meran lebt.

Malou Reedorf ist seit ihrem 24. Lebensjahr Mitglied der Danish Photographic Society. 2011 war sie die jüngste Fotografin, die den Titel „dff-mmaster Photographer” erhalten hatte. 2015 wurde sie in Dänemark zur „Fotografin des Jahres” gekürt. 2016 gewann sie den Golden Award und den ersten Preis in der Kategorie „Editorial” bei den Moscow International Photo Awards. Im darauffolgenden Jahr erhielt sie die „European Fashion Silver Chamber” vom Verband der professionellen europäischen Fotografen, während sie 2018 den zweiten Platz bei der „Monochrome Photography Competition“, die von den Gesellschaften der Hochzeits- und Porträtfotografen (SWPP) veranstaltet wird. Malou Reedorf, die auch eine Make-Up-Artistin ist, ist Jurorin bei zahlreichen internationalen Fotowettbewerben und Herausgeberin von zwei Magazinen – „Creative Photography” und „Lifestyle Magazine”. Sie hat ein Studium der Biomedizin an der Syddansk University in Campusvej sowie einen MBA in Innovationsmanagement an der Universität Trient absolviert und arbeitet im NOI Techpark in Bozen im Bereich Talent Attraction Management. Zu den Projekten, die ihre Philosophie am besten darstellen, gehört zweifelsohne „Porträt einer Seele” – 20 Frauenporträts, die die Betrachter mit magnetischen Blicken erobern, sich aber nur jenen wirklich offenbaren, die bereit sind, über das Äußere hinauszusehen.